Ich kann mich noch gut an meine Kindheit erinnern und an die unterschiedlichen Aktionen die es gab zu autofreien Sonntagen. Ja, meine Eltern haben sich daran beteiligt und ich fand es schon damals beeindruckend, wie leer Straßen am hellen Tag in Städten sein können.
Neulich bin ich dann mal wieder über eine Aktion und einen autofreien Sonntag gestolpert. Ich gebe zu, die Ölkrise war nicht der Auslöser, sondern oftmals sind es inzwischen ökologische Gründe oder Aktionen um den Fahrradtourismus zu stärken.
Auch wenn in meinem Teil des Westerwald - also dort wo ich wohne - keine derartige Aktion stattfand, habe ich mir überlegt, wie wäre es eigentlich, wenn ich das auch mal machen würde: einfach mal aufs Auto verzichten. Als ich noch in Hamburg oder Frankfurt gelebt habe, brauchte ich das Auto doch auch nicht und so müsste es doch auch mal für einen Sonntag gehen.
Also habe ich mir am folgenden Montag mal die Mühe gemacht und mir für vergangenen Sonntag mal die Möglichkeiten rausgesucht. Mein Tagesablauf sah wie folgt aus: Von Helferskirchen nach Meudt, um dort das Haus zu putzen. Anschließend zurück und mit Lasse zum Fußballturnier nach Alpenrod. Klingt alles machbar, oder?
Also habe ich mich auf die Suche gemacht. Und siehe da, ich habe eine Verbindung von Helferskirchen nach Meudt gefunden! 9.06 Uhr Abfahrt, 9.45 Uhr Ankunft. Super! Von wegen das mit dem ÖPNV klappt nicht im Westerwald. Zurück dann um 11.58 Uhr Ankunft in Helferskirchen: 12.50 Uhr. Jeweils Umsteigen in Montabaur, aber ok.
Dann aber der Schreck beim Blick aufs Datum: Das waren die Verbindungen für Montag! Sonntag gibt es keine Verbindung ...
Na ja, dann machen wir halt einen autofreien Montag!
Nach Alpenrod gab es nämlich auch keinen Bus am Sonntag, aber nach Westerburg oder Rennerod wäre ich von Meudt aus gekommen. Egal, ich hatte mich ja auf den autofreien Montag eingelassen!
So, jetzt aber nach Alpenrod - am Montag! Der nächste Bus fährt umd 14.05 Uhr also los. Umsteigen in Ewighausen, Wartezeit: 90 Minuten! Das kann ja nicht sein, oder? Keine andere Verbindung ... ;-(
Na ja, nicht schlimm, ich will ja Fußball gucken! Bambinis! Aber vorher noch mal prüfen, wann mein Bus zurück fährt ...
Letzter Bus von Alpenrod nach Helferskirchen: 16.25 Uhr! Also Ankunft: 16.35 Uhr, Abfahrt 16.25 Uhr, da bleibt nicht viel Zeit zum Fußballgucken - Egal am Montag ist eh kein Turnier!
Das erinnerte mich dann gleich an meine ersten Erfahrungen mit dem ÖPNV im Westerwald. Also ich noch in Düsseldorf gearbeitet habe, wollte ich von Helferskirchen mit dem ÖPNV zum Bahnhof Montabaur und dann mit dem Zug nach Düsseldorf pendeln. OK, Helferkirchen konnte ich schnell vergessen, aber in Siershahn hält der vectus, der zum Bahnhof fährt. Also auf den Fahrplan geguckt: Leider kam der vectus morgens in Montabaur an, als der ICE bereits 5 Minuten weg war - und das war so laut Plan!
Jetzt weiß ich auch, warum es im Westerwaldkreis keine autofreien Sonntag gibt: Es fahren keine Busse! Ach ja, aber zum Westerwaldsteig wäre ich auch nicht gekommen!
Aber ich kann mir auch denken, warum nicht! Weil sie niemand nutzt! Richtig, wer will auch 90 Minuten warten beim Umsteigen!
Mein Fazit nach dem Bustest: Wer will, dass der ÖPNV genutzt wird, muss in attraktiv machen und durch weitere Angebote (Mini-Busse, ...) ergänzen. Wer schlechten ÖPNV anbieten, muss sich nicht wundern, wenn er nichts genutzt wird!
In diesem Sinne habe ich nach dem Umzug mein Fahrrad rausgeholt und bin schon mit Lasse zusammen von Meudt nach Berod gefahren, um Line abzuholen! Das war auch autofrei, aber der Landkreis hat das nicht gefördert! Schade eigentlich.
Es gibt viel zu tun! Man muss es nur wollen und Ideen haben!
Mittwoch, 9. September 2009
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